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Die Anfänge des Wintersports im Sauerland liegen fast 150 Jahre zurück – Westdeutsches Wintersport-Museum zeigt sie auf

Einige Wintersportregionen feiern derzeit beeindruckende Jubiläen. Auch im Sauerland hat Wintersport eine lange, gut belegte Geschichte. Wie sich die Verwendung von Skeiern vom praktischen Forbewegungsmittel zum bedeutenden touristischen Sporgerät entwickelt hat, zeigt anschaulich eine Geführte Tour (jeden Sa, 15 Uhr) durch das Westdeutsche Wintersportmuseum. Und die hält manch spannende Geschichte bereit.

Schnee und Frost bereiteten der Bevölkerung des Hochsauerlandes früher manchen Kummer und erschwerten das Leben. Ärztliche Versorgung, Schulbesuch, Kirchgang, Postzustellung, Waldarbeit und Wildfütterung wurden im Winter nicht selten zu einem Problem.

So tauchen im Sauerland die ersten Ski auch nicht an den Füßen sportbegeisterter Städter auf, sondern dienten Einheimischen als „Verkehrshilfsmittel“, die den Schnee überwinden halfen. Bereits im  18. Jahrhundert sollen die Einwohner von Langewiese eine Art von Schneeschuhen gebraucht haben. Laut Überlieferung haben sie sich darauf talabwärts gleiten lassen, um Wasser aus einer tiefer gelegenen Quelle zu holen.

Weitere Hinweise auf Gebrauch von Schneeschuhen beziehen sich auf Förster, Jagdaufseher, Waldhüter und Waldarbeiter. Sie ließen lange Hölzer bei Schreinern und Schustern anfertigen, denn die Bindung bestand aus einem aufgenagelten Oberschuh. Zwar finden sich im Winter 1892/93 im „Sauerländischen Anzeiger“ Geschäftsempfehlungen für industriell gefertigte „Norwegische Schneeschuhe (Ski)“, aber die Nachfrage schien wohl äußerst gering zu sein, denn in den folgenden Jahren sieht man keine derartige Anzeige mehr.

ls 1896 der Altastenberger Pfarrer nach einem Schneesturm bis an die Schultern im Schnee einsank und von Dorfbewohnern aus seiner misslichen Lage befreit werden musste, ließ er sich kurz entschlossen ein Paar Ski aus dem Schwarzwald schicken und tätigte dann mit untergeschnallten Brettern alle notwendigen Gänge. Die Dorfbewohner kommentierten das Tun ihres  Geistlichen mit den Worten: „De Pastoer het sich Faßdäuwen unnere Stiewel bunnen uns takelt domet oppem Schnaa rümme.“ Demnach war Pastor Bender wohl kein schneidiger Skifahrer; die Beschreibung deutet mehr auf ein steifes, unbeholfenes Sichfortbewegen hin.

Als im Februar 1906 der sportbegeisterte und regsame Kaufmann Georg Brinkmann hörte, wer solche Bretter gewerbsmäßig herstellte, bestellte er sofort fünf Paar Ski mit unterschiedlichen Bindungen, da er ja noch kein fachmännisches Urteil über eine gute Bindung abgeben konnte. Nach Erhalt der Sendung probierte er unverzüglich ein Paar Bretter aus. Zunächst bei Nacht, am Herrloh, damit die ungelenken Versuche nicht von Zuschauern verfolgt werden konnten. Begeistert erzählte er von seinen ersten Versuchen und machte seine Kegelbrüder so neugierig, dass sie ihm gleich die anderen Ski abkauften. Nun übten sie gemeinsam, tatsächlich als Sport, zur Freude und als Freizeitvergnügen. Und so führte Georg Brinkmann als erster im Sauerland erfolgreich den Handel mit Skiern.

Noch im selben Jahr kam der ersehnte Eisenbahnanschluss, der für die Entwicklung des Fremdenverkehrs und ganz besonders für den Wintersport von unschätzbarem Wert war. Der Skisport gewann allmählich aber auch die Herzen von immer mehr Einheimischen, und wie es damals zur Kaiserzeit üblich war, schloss man sich bald zu einem Verein zusammen. Der Skiklub Sauerland hielt Skikurse ab und veranstaltete Skifeste, um den Freundeskreis des weißen Sports zu vergrößern.

Auch die Städter begannen mehr und mehr, das Sauerland als Wintersportgebiet zu entdecken. Die Unterkünfte wurden knapp und auch Geistliche beobachteten die Entwicklung des Wintersports mit sorgenvoller Miene. Grund zur Sorge bereiteten vor allem die Frauen. Skidamen, die sich frei und ungeniert mit Sportkameraden neckten und dazu statt der üblichen langen Röcke häufig „Beinkleider“, also Hosen trugen. Und zwar nicht nur im Schneegelände, sondern auch in Kaffeewirtschaften und auf den Straßen. Die „schamlose Tracht der Winterberger Sportweiber“ brachte das Sauerland weit über die Region hinaus ins Gerede.

Der Streit um die Sporthose war ein Spiegelbild sich anbahnender gesellschaftlicher Veränderungen. Vor diesem Hintergrund wird der „fromme Wunsch“ eines Briloner Pastors verständlich, der selbst in den 1930er Jahren noch von der Kanzel gefleht haben soll: „…zur Weihnachtszeit und zu Neujahr keinen Schnee, damit die Weibersleut nicht in Hosen herumlaufen“.

Die Winterberger Geschäftsleute sahen den Wintersport natürlich aus einem anderen Blickwinkel, sie hatten sehr schnell erkannt: „…der ganze Wohlstand, Handel, Handwerk und Verkehr… lebt und fällt mit dem Skisport und dem Fremdenverkehr“. Gastwirt Rossel stellte kurz und knapp fest: „Jede Flock `nen Daler wert!“ Dies versuchten die Befürworter des Wintersportes ihren Widersachern immer wieder zu vermitteln.

Zu Beginn des Skitourismus war jede Tour auf Brettern ein Ereignis, eine bemerkenswerte Leistung. Inzwischen ist sie zu einer Alltäglichkeit geworden. Praktische Skikleidung war keineswegs selbstverständlich. Heute ist sie kein Thema mehr. Die Erfahrung wurde zum Lehrmeister, und die Wahl der Skikleidung richtet sich nach dem Zeitgeschmack, nach der Mode.

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